Die Polygrafie ist eine Voruntersuchung zur Abklärung möglicher Atemaussetzer im Schlaf (etwa obstruktive Schlafapnoe). Im Unterschied zur Polysomnografie im Schlaflabor findet die Untersuchung mithilfe eines kleinen tragbaren Gerätes zu Hause statt.
Was ist eine Polygrafie?
Die Polygrafie, auch kleines Schlaflabor genannt, ist eine ambulante Voruntersuchung bei Verdacht auf eine Atmungsstörung im Schlaf, insbesondere Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer).
Im Unterschied zur Untersuchung im Schlaflabor findet die Polygrafie zu Hause in gewohnter Schlafumgebung statt. Nach ärztlicher Einweisung bei der Übergabe des Polygrafiegeräts legen sich die Patienten vor dem Zubettgehen selbstständig das kleine tragbare System an, das verschiedene Biosignale während des Schlafes misst und aufzeichnet.
Die Untersuchung ist absolut schmerzfrei. Weil dabei vor allem Biosignale gemessen werden, die Herz und Atmung betreffen, man spricht auch von der kardiorespiratorischen Polygrafie.
Was zeichnen Polygrafiegeräte auf?
Ein Polygrafiegerät ist etwa so groß wie die Hand eines Erwachsenen. Es wird mit einem Gurt um Brust und Bauch befestigt, um die Atembewegungen und Körperlage zu messen. Ein Sensor am Finger zeichnet die Sauerstoffsättigung des Blutes und die Pulsfrequenz auf. Eine Nasenbrille misst den Atemfluss und gegebenenfalls das Schnarchen.
Anhand dieser Parameter können Ärzte ableiten, ob und wie oft es zu Atemaussetzern (Apnoe-Ereignissen) oder einer Verringerung der Atmungstiefe (Hypopnoe) kommt und in welcher Körperlage diese auftreten. Die Polygrafie gibt auch Aufschluss über das Schnarchen sowie eine reduzierte Sauerstoffversorgung.
Wie läuft eine Polygrafie zu Hause ab?
Eine Polygrafie können Sie zu Hause in Ihrer gewohnten Schlafumgebung durchführen. Dazu holen Sie das Gerät in der Arztpraxis ab. Dort programmiert es das Personal auf Ihre Schlafenszeit und zeigt Ihnen, wie Sie das Gerät anlegen.
Zu Hause bringen Sie das Gerät vor dem Schlafengehen selbstständig an. Befestigen Sie den Brust- und Bauchgurt über Ihrer Schlafbekleidung (nicht auf nackter Haut). Die Gurte dürfen nicht zu locker sitzen. Danach befestigen Sie den Fingersensor und setzen die Nasenbrille auf.
Gehen Sie dann wie gewohnt ins Bett. Das Gerät schaltet sich automatisch ein und zeichnet Ihren Schlaf auf. Während der Messungen können Sie jederzeit die Schlafposition wechseln und nachts auf die Toilette gehen.
Am nächsten Tag entfernen Sie das Polygrafie-System und geben es in der Praxis ab. Dort wertet Ihr Arzt beim nächsten Termin die Aufzeichnungen aus und bespricht sie mit Ihnen. Je nach Polygrafie-Befund empfiehlt man Ihnen eine geeignete Therapie oder – bei unklaren Resultaten – weiterführende Untersuchungen.
Wann sollte eine Polygrafie durchgeführt werden?
Die Polygrafie dient in erster Linie der Abklärung von schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS) wie obstruktiver Schlafapnoe (OSA). Leitsymptome sind lautes, oft unregelmäßiges Schnarchen, Tagesmüdigkeit und (etwa vom Partner beobachtete) Atempausen während des Schlafens.
Eine Polygrafie kommt zum Einsatz, wenn eine Eigen- und Fremdanamnese (Patient und Angehörige werden beispielsweise nach Symptomen des Patienten befragt) und körperliche Untersuchungen den Verdacht auf Schlafapnoe erhärten.
Spricht auch der Polygrafie-Befund für eine ausgeprägte Schlafapnoe, erfolgt eine Überweisung an ein Schlaflabor, wo man geeignete Therapien einleiten wird. Falls andere schlafmedizinische Erkrankungen infrage kommen, müssen diese ebenfalls mithilfe einer Polysomnografie im Schlaflabor abgeklärt werden.
Eine Polygrafie zu Hause eignet sich nicht nur zu Diagnosezwecken, sondern ist auch für das langfristige Krankheitsmanagement der obstruktiven Schlafapnoe relevant: Verlaufs- und Therapiekontrollen – etwa bei der nächtlichen Überdruckbeatmung namens CPAP (engl. „continuous positive airway pressure“) – können in der Regel mittels Polygrafie erfolgen. In medizinischen Einzelfällen ist jedoch auch hier eine Polysomnografie im Schlaflabor notwendig.
Was sind die Kosten einer Polygrafie?
Die Kosten der ambulanten Polygrafie übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung. Für Selbstzahler liegen sie in der Regel im niedrigen, dreistelligen Bereich. Welche Honorare Ihr Arzt im Einzelfall genau abrechnet, können Sie direkt bei der Praxis erfragen.